„Blinde Passagiere“ im Ballastwasser

 

Fast 90% der Welthandelsgüter werden heutzutage per Schiff transportiert – Tendenz steigend. Für stabile Fahrt und den richtigen, ökonomischen Tiefgang der Schiffe sorgen Ballast­was­sertanks. Sie sind mit See-, Süß- und Brack­wasser gefüllt, das auf allen Welt­meeren aufgenommen und abgepumpt wird. Jährlich fallen hierbei 12 Milliarden Tonnen Ballast­wasser an – mit jeder Menge blinder Passa­giere. Bei der Ballast­wasseraufnahme wird eine Schar von unerwünschten aquatischen Organismen aufgenommen und über die Schifffahrtwege weltweit verteilt. Obwohl ein Großteil der Kleinst­lebe­we­sen, Bakterien und Viren den Transfer in den Ballast­wasser­tanks nicht überleben, werden bei der Ballast­wasserabgabe noch eine ausreichend große Anzahl Organismen mit freigesetzt. Sie­deln sich die „blinden Passagiere“ (Fische, Kreb­se, Wür­mer, Bakterien, Viren und sonstige Mi­kro­ben) in ihrer neuen Umgebung einmal an, verursachen sie sowohl große ökologische als auch ökonomische Schäden und können im Ex­trem­fall sogar zu einer Gefahr für den Men­schen werden.

 

IMO-Vorgaben verlangen Ballastwasserbehandlung
Um die ungewollte Verbreitung von Lebewesen in Ballastwasser einzudämmen, erarbeitet die internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO (International Marine Organization) eine Konvention, die zukünftig den Umgang mit Ballastwasser regeln soll. Das international bindende Übereinkommen „Internationale Konvention zur Überwachung und Behandlung von Ballastwasser und Sedimenten von Schiffen“ soll ab 2012, spätestens aber 2016 für Neubauschiffe in Kraft treten. Nach einer Übergangszeit, während die sog. D1- und D2-Regeln gleichzeitig gültig sind, wird für die international verkehrende Handelsflotte die Konvention somit geltendes Recht. D-1 beschreibt die „Norm zum Austausch von Ballastwasser“ und D-2 die „Norm für die Zusammensetzung von Ballastwasser“. Es wird deutlich, dass der D1-Standard je nach Ballastwasserkapazität und Zeitpunkt der Kiellegung der Schiffe ausläuft und nur noch der D2-Standard gültig sein wird. Somit wird schrittweise die gesamte Welthandelsflotte mit Ballastwasserbehandlungsanlagen aus- bzw. nachgerüstet.




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